Bali


Bali - Land und Leute - Reisebericht
Knapp 3 Mio. Menschen wohnen heute auf Bali, von denen nur ca. 5% einer anderen Religion als der Hindu-Dharma-Religion angehören. Diese Minderheit bilden ungefähr 8000 Chinesen sowie eine Handvoll Araber, Inder und Europäer. Von der Urbevölkerung, den Bali-Aga, gibt es heute nicht mehr viele. Wenige Hundert leben meist in Abgeschiedenheit in einigen wenigen Dörfern.
Das ganze Leben der Balinesen ist geprägt von seiner tiefen Religiösität, die selbst Kunst, Kultur und Politik der zählen zu den farbenprächtigsten überhaupt.
Das Leben ist nicht, wie bei vielen anderen Inselvölkern, auf das Meer gerichtet, sondern landeinwärts auf die Berge sowie das Landesinnere. Höhe, die Berge und der Himmel gelten als heilig, die Tiefe des Meeres dagegen gehört zum Reich der Dämonen.
Die Menschen scheinen ausgeglichen und freundlich, Geduld, Toleranz und Gastfreundschaft gehören zu ihren Tugenden.
5 mal täglich werden handgemachte Opferschalen versehen mit Räucherstäbchen auf den hauseigenen Familientempeln dargebracht.
Dem Kunsthandwerk kommt eine besondere Bedeutung zu, denn von jeher waren die Balinesen in besonderem Maße künstlerisch veranlagt. Alles was man herstellt, wird verziert, kunstvoll bearbeitet, filigran beschnitzt und bemalt. Dies hat auch einen religiösen Hintergrund, man will den Göttern gefallen.
Besondere Bedeutung haben zwei traditionelle Organisationen: Der Banjar, als die Volksvertretung eines Dorfes, dessen Macht über Jahrhunderte von keiner Regierung gebrochen werden konnte, sowie der Subak für die Reisbauern. Hier arbeiten alle Reisbauern zusammen, um das Bewässerungssystem funktionsfähig zu erhalten und um jedem Mitglied die benötigte Menge Wasser zukommen zu lassen.
Jeder verheiratete Mann muß dem Banjar seines Dorfes angehören und zu den regelmäßigen Treffpunkten erscheinen, um Entscheidungen für sein Dorf zu treffen. Der Banjar regelt so das Dorfleben, um der staatlichen Verwaltung nicht mehr Einfluß zu geben.
Die Gründung einer Familie auf Bali gehört zu den höchsten Pflichten eines Balinesen. Ein Mann kann erst Mitglied einer Dorfgemeinschaft (Banjar) werden, wenn er seßhaft und verheiratet ist.
Hält man sich noch an die Tradition, lebt man in größeren Gemeinschaften mit Mutter und Vater, Oma und Opa, Kindern und Enkeln auf dem Familiengehöft.
Wer als Tourist in einem Homestay wohnt, kann das geschäftige Treiben den ganzen Tag beobachten, denn fast das ganze Leben spielt sich auf dem Innenhof des Anwesens ab.
Ältere Leute redet man mit
Ibu(=Mutter) und Bapak (=Vater) an. Dieser "Titel" wird vor den Namen gestellt. Jüngere und Gleichaltrige spricht man mit Adik (=jüngerer Bruder bzw. Schwester) an. Als Touristen wird man meist mit Tuan bezeichnet, welches unserem "Herr" entspricht und ein Überbleibsel der Kolonialzeit ist.
Fast alle Indonesier lachen gerne. Dies mag nicht immer etwas über ihre wahren Gefühle vermittelt. Trotzdem sollte man versuchen, zurückzulächeln.
Wutausbrüche und Schreien werden nicht akzeptiert und erzeugen Unverständnis und Distanz. Nur bei kleinen Kindern wird ein unbeherrschtes Verhalten toleriert. Wer sich nicht unter Kontrolle hat, verliert in den Augen der Indonesier sein Gesicht.
Hauptziel jeder Erziehung ist Harmonie, alles wird mit einem Lächeln und einer gewissen inneren Ruhe begleitet.
Peinlichkeiten werden tunlichst vermieden. Es ist peinlich, keine passende Antwort geben zu können, da ist es besser, man gibt eine falsche. Denn dann verliert man sein Gesicht nicht. Dies sollte man als Tourist wissen, wenn man eine Auskunft braucht und z.B. nach dem richtigen Weg fragt.
Ausdruck dieser Sichtweise ist auch, wie es für den Touristen scheinen könnte, eine gewisse Schadensfreude: Stürzt z.B. jemand auf der Straße, bricht alles in schallendes Gelächter aus, weil dem Gestürzten so der Gesichtsverlust erspart wird.
Die linke Hand ist unsauber, da sie traditionell das Toilettenpapier ersetzt, um Menschen zu begrüßen, zu berühren oder um etwas weiterzureichen, wird immer die rechte Hand verwendet. Niemals ersatzweise die linke Hand reichen.
Die Füße sind der unsauberste Teil des Körpers, es gilt es unhöflich, die Fußsohlen auf eine Person zu richten.
Zur Begrüßung reicht man sich die rechte Hand nur mit einer leichten Berührung. Kräftiges Schütteln kennt man nicht. Anschließend führt man seine Hand an sein Herz.
Schuhe sollten beim Betreten eines Hauses und auch eines Geschäftes ausgezogen werden. Will man nicht als Barbar gelten, sollte man die Schuhe auch im eigenen Hotelzimmer draußen lassen. Aus diesem Grunde ist Barfußlaufen auf der Straße verpöhnt.
Das Herbeiwinken mit der Hand erfolgt mit dem Handrücken nach oben, was für uns eher aussieht wie Wegscheuchen.
Es gilt als Überhebliche und aggressive Geste, mit dem Finger direkt auf eine Person zu zeigen, die Arme vor der Brust zu verschränken sowie die Hände in die Hüften zu stemmen.
Zum Thema Kleidung gibt es zu sagen, daß Männer in der Öffentlichkeit nicht mit kurzen Hosen herumlaufen und auch keinen entblößten Oberkörper zeigen sollten. Dasselbe gilt bei Frauen für das Oben-Ohne-Baden. Die allmähliche Verwestlichung weicht jedoch auch hier die Sitten allmählich auf, zumindest wird das Verhalten bei den Touris toleriert.
Auf keinen Fall darf man aber einen Tempel betreten, wenn man sich nicht einen Sarong oder einen Schal um die Hüfte gebunden hat. Man bekommt diese Dinge aber sehr günstig in den vielen Shops.
Die Tempelmauern und Wände gelten als heilig. Es ist verboten, sie zu berühren oder auf ihnen herumzuklettern. Ebenso ist Blut auf dem Tempelboden ein Tabu, aus diesem Grunde dürfen Frauen während ihrer Menstruation den Tempel nicht betreten.
In heiligen Quellen darf nicht gebadet werden, wird man erwischt, kann das sehr teuer werden.
Prozessionen haben immer Vorrang, diese Erfahrung wird man vielleicht machen, wenn man mit dem Auto unterwegs ist.
Auf die häufige Frage, ob man verheiratet ist und Kinder hat, sollte man immer mit Ja antworten, denn eine Familie zu gründen, ist für den Balinesen oberstes Gebot. Keine Kinder haben zu wollen, stößt auf Unverständnis.
Männer und Frauen umarmen und küssen sich nicht in der Öffentlichkeit, selbst Händchenhalten gilt als anstößig.
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