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Singapur - Reisebericht

Der südostasiatische Inselstaat vor dem Südzipfel der Halbinsel Malakka besteht aus der Insel Singapur (573 km²) und ungefähr fünfzig kleineren Inseln mit insgesamt 45 km² Fläche. Allerdings nehmen diese Flächen von Jahr zu Jahr zu, da durch Aufschüttungen in die See neues Land gewonnen wird.

Singapur - Hochhaus

Die im Timah Hill bis 177 m hohe Hauptinsel ist mit der Malaiischen Halbinsel durch einen 1200 m langen Damm über die Straße von Johor verbunden, der die Straßen- und Eisenbahnverbindungen zum Festland herstellt und daneben Wasserleitungen enthält. Die Oberfläche der Hauptinsel ist flachwellig und von einem verzweigten Kleingewässernetz durchzogen. Die Stadt Singapur nimmt etwa 100 km² Fläche auf dem südlichen Teil der Insel ein.

Der tropische Regenwald, der ursprünglich einen Großteil der Insel bedeckte, ist durch die starke Besiedlung weitgehend zerstört worden. Fremde Besucher begegnen Singapur vielfach mit Klischees: Die einen nennen die Insel wegen ihrer Sauberkeit lobend die Schweiz Südostasiens. Andere bezeichnen den total organisierten und streng kontrollierten Zwergstaat abfällig als "Nation 1984" in Anspielung auf George Orwells Roman. Wieder andere sehen Singapur wegen seiner breiten Straßen und kühnen Autobahnviadukte, seiner Wolkenkratzer und seiner unzähligen Schnellimbissketten nach amerikanischem Vorbild als ein total verwestlichtes Gebilde an, als eine Art asiatisches Houston oder Vancouver.

Singapur - Wolkenkratzer

Historiker setzen die Gründung des modernen Singapur auf das Jahr 1819 fest, als der Gesandte der "British East India Company", Stamford Raffles (1781-1826), an der damals erst von einigen Fischerfamilien bewohnten Insel an Land ging. Raffles erwarb das Eiland, um dort zum Schutze der britischen Besitzungen in Südostasien und als Gegenpol zu der holländischen Präsenz in Malakka einen britischen Hafen zu errichten. Mit dieser Entscheidung legte er den Grundstein für die Entwicklung Singapurs.

Singapur - Weihnachten

Aus dem aus strategischen Gründen gebauten britischen Flottenstützpunkt wurde über die Jahre hinweg ein international bedeutender Handelshafen. 1867 wurde Singapur, das seit 1824 die gesamte Insel umfasste, zur britischen Kronkolonie ernannt. Nach der Entlassung in die Unabhängigkeit 1963 hatte der Inselstaat, dessen Hafen heutzutage einer der größten der Welt ist, mehrere Bewährungsproben zu bestehen. Wenige Jahre, genauer 1963-1965, bildete die Insel einen Bestandteil der Föderation Malaysia.

Das Zusammengehen mit dem rohstoffreichen Nachbarn basierte auf der Überzeugung, dass Singapur auf sich allein gestellt keine Überlebenschancen habe, dass ein Hafen ohne ein Hinterland völlig nutzlos sei. Doch die Integration der rohstofflosen Hafenstadt - Singapur muss sogar sein Trinkwasser aus Malaysia importieren - scheiterte an politischen Gegensätzen. 1965 verließ Singapur die Föderation, um als souveräner Staat einen Neubeginn zu wagen. Kaum hatte sich die junge Nation einigermaßen organisiert, ordnete London die Schließung seiner Flottenbasis in Singapur an.

Damit verlor die Hafenstadt einen ihrer bedeutendsten Arbeitgeber. Tausenden drohte eine Zukunft ohne Beschäftigung und für viele Beobachter besiegelte der britische Flottenabzug aus Singapur den Untergang des jungen Inselstaates. Doch Singapurs Regierung ließ sich von diesen düsteren Prophezeiungen nicht beeindrucken. Vertrauend auf den Überlebenswillen und die Kraft der Bevölkerung, lancierte die Regierung ein ehrgeiziges Industrialisierungsprogramm, mit dem ausländisches Kapital und technisches "Know-how" nach Singapur gelangten. Dies ermöglichte die Schaffung der dringend benötigten neuen Arbeitsplätze.

Singapur - Alltagsleben

Singapur - Strassenszene

Die Regierung machte im Gegenzug großzügige steuerliche Zugeständnisse an die ausländischen Konzerne. Mit umfassenden neuen Gesetzen sicherte sie politische Stabilität, einen entspannten Arbeitsmarkt und Harmonie unter den verschiedenen Ethnien der Inselnation. Das moderne Singapur ist Beweis dafür, dass die Rechnung der Gründerväter aufging. Die seit 1959 in Singapur regierende "People's Action Party" (PAP) verwandelte die ehemals heruntergekommene Hafenstadt, in welcher Bandentum, Korruption,

Drogenhandel und Prostitution beheimatet waren, in ein international anerkanntes asiatisches Zentrum moderner Technologie und Finanzwirtschaft, wo die Laster der Vergangenheit auf ein Minimum reduziert worden sind. Offiziell hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, in Singapur einen mit der Schweiz vergleichbaren Lebensstandard zu erreichen.

Ein Lieblingswort der Regierenden heißt "Excellence". Singapur soll ein vortrefflicher Staat werden, eine Nation, die aus kollektivem Überlebensdrang alles unternimmt, um ihren rohstoff- und bevölkerungsreichen Nachbarn wirtschaftlich und technisch immer eine Nasenlänge voraus zu sein.



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