Galapagos
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Galapagos - Fauna
Es gibt auf der Erde kaum einen Ort, wo Tiere leichter in freier Wildbahn zu beobachten sind als auf den Galápagos-Inseln.
Trotz der jahrhundertelang verursachten Schlächtereien durch Piraten, Freibeuter, Walfänger, Pelzrobbenjäger, Siedler und US-Marine, zeigen die Tiere keinerlei Scheu vor den ständig anlandenden Touristen-Heerscharen. An manchen Besucherstandorten marschieren die kamerabewaffneten Gruppen sogar täglich zu dutzenden durch ihre Reviere, stolpern an ihren Wohnnischen und Brutplätzen vorbei, und verunsichern ihre Neugeborenen. Die erwachsenen Tiere bleiben unerschrocken und lassen sich standhaft aus allernächster Nähe fotografieren. Der Mensch wird einfach als unbedeutender Bestandteil ihrer natürlichen Umgebung akkzeptiert. Manche Tiere, insbesonders Seelöwenjungen und Darwinfinken, zeigen sogar unverhohlene Neugierde. Andere widerum, wie z. B. die Tölpel, schnappen bei einem zu aufdringlichen Zunahekommen mit dem Schnabel zu.
Diese einmütige Billigung des Menschen seitens der Tiere ist in erster Linie den professionellen Naturführern zu verdanken, die seit Jahrzehnten nach den strengen Richtlinien der Nationalparkverwaltung handhaben. Als eine der vordringlichsten Aufgaben der Guids erweist sich dabei, daß die Touristen nur auf den vorgeschriebenen Pfaden einherwandern, um somit nicht auf die Tiere oder deren Nistplätze abseits der Wege zu treten. Besucher, die der Versuchung nicht widerstehen können den abgesteckten Pfad zu verlassen, werden augenblicklich zurechtgewiesen. Davon einmal abgesehen, sitzt das begehrte Motiv früher oder später sowieso direkt am Wegrand vor der Linse. Auch sollte bei unüberlegtem Zurückschreiten zwecks einer besseren Aufnahme darauf geachtet werden, daß viele Vögel und Leguane mitten auf den Touristenpfaden brüten. Um diese Brutplätze nicht zu zerstören ist vorsichtiges Ausweichen oberstes Gebot. Niemals direkt über ein Nest steigen!
So gibt es auch egoistische Seelöwenbullen, die störrisch den Landungssteg besetzt halten, oder den wunderschönen Badestrand ganz für sich allein und ihre zahlreichen Gespielinnen beanspruchen wollen. Auch hier sollte jegliche Art von Konfrontation vermieden werden. Für Tiere gelten die Nationalparkvorschriften nicht, auch wenn diese zuguterletzt nur für sie bestimmt sind.
Die beste Zeit um die frei lebenden Tiere zu beobachten ist am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Gegen Mittag tauchen die Meeresechsen oft den Ozeangrund nach Nahrung ab, genauso wie die Seelöwen und Meeresschildkröten. Auch die vielen Seevögel haben in der Mittagshitze oft besseres zu tun als für die Kameras der verzückten Touristen zu posieren.
Auf praktisch jeder Galápagos-Insel bekommt der Besucher Seelöwen, Meeresechsen, Klippenkrabben, Lava-Eidechsen und Darwinfinken zu sehen. Auf den meisten Inseln begegnet man hingegen Blaufußtölpeln, Tropicvögeln, Pelikanen, Gabelschwanzmöwen, Spottdrosseln und Galápagos-Bussarden. Auf vielen Inseln widerum gibt es Maskentölpel, Binden- und Prachtfregattvögel, Noddy-Seeschwalben und Lavamöwen. Auf einigen wenigen Inseln finden sich Riesenschildkröten, Pelzrobben, Landleguane, Flugunfähige Kormorane, Flamingos, Pinguine und Rotfußtölpel. Und weltweit nur auf Española kann der am Boden träge Albatross aus allernächster Nähe beim Brüten beobachtet werden.
Verschiedene Säugetier-Arten gibt es auf Galápagos sehr wenige. Genauer gesagt nur vier! Dabei spielen die Galápagos-Reisratte, welche auf Santa Fé und Fernandina in zwei Unterarten anzutreffen ist, sowie die Galápagos-Fledermaus, die in den Hafenorten manchmal vereinzelt um die Straßenlampen am Malecón flattert, für Besucher eine völlig unbedeutende Rolle.
Dieser krasse Mangel an Säugetieren hängt ganz einfach damit zusammen, daß zwischen den Inseln und dem Festland nie eine Landbrücke bestanden hatte. Sonst müßte die Tierwelt heute ganz anders zusammengesetzt sein. Zumindest einige der großen Landsäugetiere des ekuadorianischen Festlandes wären bei einer urgeschichtlichen Verbindung zum Kontinent zu erwarten.
Die häufigsten Säugetiere an praktisch allen Küsten der Galápagos-Inseln sind die Seelöwen. Neuankömmlinge werden dies bereits auf den ersten Blick bestätigen können - selbst mit geschlossenen Augen! Die kehligen Örk-Laute der allgegenwärtigen Schwimm-Stars verfolgen Inselbesucher und Bootsausflügler manchmal sogar bis in den Schlaf. Die Beiboote und Landungsstege in den Hafenbecken von Puerto Baquerizo Moreno (San Cristóbal) und Puerto Ayora (Santa Cruz) werden von den Seelöwen oft als Bettstätte beansprucht. Fischern gefällt dies überhaupt nicht, da die verspielten und neugierigen Tiere unverschämterweise auch ihre stinkenden Hinterlassenschaften in den Booten zurücklassen. Wer im Hafenort Puerto Villamil abends an den Kai spaziert, sollte bedenken daß dort gegen 22 Uhr der Strom abgestellt, und somit das Licht ausgeschaltet wird. Wer dann im Dunkeln aus Versehen über einen dort gerade ruhenden Bullen stolpert, wird über dessen lautstarke Verwünschungen vielleicht nicht nur zutiefst erschrocken sein. Der scharfe Biß eines aufgebrachten Seelöwenbullen kann böse Fleischwunden hervorrufen!
Auf der Plaza-Insel haben die Galápagos-Seelöwen - übrigens sehr nahe Verwandte der kalifornischen Seelöwen - aufgrund ihrer zahlreichen Kolonien inzwischen die Steine an den Ufern und Klippen glattpoliert. Seelöwen sind polygam. Ein einziger Bulle kann einen bis zu 25-köpfigen Harem unter seinen Fittichen haben. Nach einer Tragezeit von neun Monaten bringt jedes seiner Weibchen meistens gegen Ende des Jahres ein etwa 5 Kilo schweres Junges zur Welt. Und noch in einem anderen Punkt unterscheidet sich der Seelöwe nicht allzu sehr vom Durchschnitts-Lateinamerikaner: Während der Brunftzeit sind blutig verlaufende Revierkämpfe unter eifersüchtigen Bullen durchaus nichts außergewöhnliches!
Auf Plaza und Rábida gibt es zudem kleine Kolonien von ausschließlich Alten und Junggesellen. Diese Bullen sind bei der alljährlichen Weibchen-Verteilung leer ausgegangen und haben sich zu richtiggehenden Eigenbrödlern entwickelt. Man sollte ihnen nicht zu nahe kommen. Sie gelten als äußerst aggressiv und verstehen überhaupt keinen aufdringlichen Foto-Spaß.
Seelöwen sind hervorragende Schwimmer und noch elegantere Taucher. Sie können kilometerweit aufs Meer hinausschwimmen und Tauchtiefen von 250 Metern erreichen. Die imposantesten unter den Bullen sind schlichtweg furchterregend, wenn sie sich laut schimpfend auf ihren Vorderflossen aufrichten und auf einen zupreschen. Spätestens dann heißt es Kamera wegwerfen und eine Fliege machen.
Die Galápagos-Pelzrobbe unterscheidet sich vom Seelöwen durch ihr dichteres Fell, dem kleineren eher rundlichen Kopf, der abgeflachten Nase, den größeren Ohrmuscheln, und dem verlorenen melancholischen Blick. An Land findet man die ansonsten in antarktischen Gefilden beheimateten Pelzrobben lediglich in schattigen Felsnischen und kleinen Grotten, wo sie sich vor der Äquatorsonne schützen können. Die Galápagos-Inseln verdanken ihre Präsenz dem kalten Humboldtstrom.
Im Gegensatz zu Seelöwen suchen Pelzrobben niemals die Sandstrände auf. Ihre genaue Populationsgröße auf Galápagos ist nicht genau erfaßt, sie wird aber auf etliche Tausend geschätzt. Man trifft sie zumindest weitaus seltener an als die allgegenwärtigen Seelöwen.
Insgesamt sechs Reptilien-Arten können auf Galápagos angetroffen werden. Dazu gehören elefantöse Riesenschildkröten, ungeheuerliche Landleguane, algenfressende Meerechsen, Lava-Eidechsen, Geckos und ein paar völlig harmlose Schlangen.
Die bis zu 300 Kilo schweren Riesenschildkröten gibt es außer auf den verwunschenen Inseln sonst nur noch auf dem Aldabra-Atoll im indischen Ozean. Im Galápagos-Archipel sind von den ursprünglich 14 Unterarten noch 11 übriggeblieben.
Wobei der tragikomische Einsame Georg, einst von seiner Heimatinsel Pinta zur Charles Darwin - Station auf Santa Cruz umgesiedelt, der letzte Vertreter einer zum Aussterben verurteilten Rasse ist. Drei weitere Unterarten sind bereits ausgestorben, andere werden heute auf der berühmten “Schildkröten-Station” nachgezüchtet.
Von Insel zu Insel unterscheiden sich die Riesenschildkröten durch ihre Größe und der Form des Panzers. Die etwas kleineren Sattelpanzer-Schildkröten mit ihren längeren Nacken und Beinen, haben sich im Laufe der Evolution den flachen Trockenregionen angepaßt. Selbst wenn dieser Schildkröten-Typ es allemal vorzieht heruntergefallene Kaktuspolster zu fressen, kann er auch die Blätter weitverzweigter Büsche erreichen. Der größere Schildkröten-Typ mit dem hohen Kuppelpanzer bevorzugt hingegen die Hochlandregionen der Inseln, wo Gräser und heruntergefallene Früchte die Hauptnahrung darstellen.
Allein fünf verschiedene Rassen können in den gewaltigen Vulkankegeln der Isabela-Insel angetroffen werden. Ihr jeweiliger Aktionsradius ist auf den Krater und dessen Ränder beschränkt. Dies deutet u. U. sogar darauf hin, daß die fünf Isabela-Vulkane einmal isolierte Inseln waren. Die Evolution der Schildkröten hat sich in Übereinstimmung mit den unterschiedlichen Biotopen der durch Lava und Schlackenwüsten voneinander getrennten Kraterkegel vollzogen.
Einen Sonderfall stellt eine Unterart auf Española dar. In den 60-ziger Jahren waren auf der Insel gerade noch zwei Männchen und zwölf Weibchen dieses Schildkröten-Typs am Leben. Eine natürliche Fortpflanzung fand so gut wie nicht mehr statt. Die Tiere sind sich verständlicherweise fast nie begegnet! Durch Inkubation und sorgsame langjährige Aufzucht ist es der “Charles Darwin - Station” gelungen 1995 nahezu 700 Riesenschildkröten dieser Unterart wieder auf Española auszusetzen.
Riesenschildkröten erreichen die Geschlechtsreife nach etwa 25 Jahren. Sie pflanzen sich zwischen Januar und Juni während der Regenzeit fort. In der zweiten Jahreshälfte begeben sich die Weibchen dann in die Trockenzonen um dort ihre Eier auszubrüten. Es braucht meist sehr viele Stunden bis sie mit ihren Hinterbeinen ein genügend tiefes Loch gebuddelt haben.
Bei dieser Schwerstarbeit urinieren sie laufend um somit der Erde mehr Geschmeidigkeit zu geben. Zwischen 2 und 20 Eier von der Größe eines Tennisballs werden in der Brutkuhle abgelegt. Nachdem das Loch wieder zugeschüttet wurde, zieht sich das Weibchen in die Berge zurück. Nach weiteren 4 - 8 Monaten brechen die Jungen aus ihrer Eierschale hervor. Die Temperatur des unterirdischen Brutplatzes bestimmt schlußendlich das Geschlecht der Neugeschlüpften, wobei kühlere Temperaturen meistens Männchen hervorrufen. Ihr einziger natürlicher Feind ist der Galápagos-Bussard. Überleben sie erst einmal die ersten schwierigen Jahre, können sie ein stolzes Alter von fast 200 Jahren erreichen.
Landleguane leben in den Trockenzonen der Inseln Plaza Sur, Santa Cruz, Isabela und Fernandina. Eine zweite endemische Art ist nur auf Santa Fé anzutreffen. Man sieht die Iguanas am Vormittag in der Sonne dösen, während sie zur Mittagshitze schattige Plätze unter Steinen oder Baumkakteen aufsuchen. Um nachts ihre Körperwärme speichern zu können, schlafen sie in selbstgebuddelten Höhlen. Ihre Diät besteht aus Sträuchern, Früchten und heruntergefallenen Kaktuspolstern, deren Stacheln sie meist mit den Klauen herauskratzen. Andererseits können ganz verwegene Exemplare auch schon mal dabei beobachtet werden wie sie mitten in die Stacheln reinbeissen!
Im Gegensatz zu ihren entfernten grünen Verwandten auf dem ekuadorianischen Festland, sind Galápagos-Landleguane hartnäckig auf ihr Territorium bedacht. Die gelbfarbigen Männchen können auf gleichgeschlechtliche Eindringlinge äußerst aggressiv reagieren. Solche Revierkämpfe werden durch heftiges Kopfnicken angedroht, und enden manchmal mit furchterregenden Schwanz- und Beißgefechten.
Die graubraunen Weibchen legen ähnlich den Schildkröten 2 bis 25 Eier in eigens gegrabenen Löchern. 3 - 4 Monate später schlüpfen die nur zentimetergroßen Jungen aus dem Ei. Falls sie die ersten Jahre überleben sollten - Bussarde und Eulen sind ihre einzigen Todfeinde - können sie über 60 Jahre alt werden.
Als Charles Darwin 1835 auf Santiago landete, fand er vor lauter Landleguanen “kaum einen Platz wo wir unser Zelt aufstellen konnten!” Heute sind Landleguane auf Santiago völlig ausgestorben. Ratten und Schweine, sowie verwilderte Hunde und Katzen, fraßen ihre Eier und zerbissen die Jungen. Ziegen zerstörten ihre pflanzlichen Nahrungsquellen.
Die Algen fressenden Meerechsen bevölkern fast alle Küsten des Galápagos-Archipels. Sie gelten weltweit als die einzigen Reptilien, die sich erfolgreich dem Leben im Meer angepasst haben. Mit den weichen Schlängelbewegungen ihres muskulösen Schwanzes können sie kilometerweit hinausschwimmen und tiefe Tauchgänge unternehmen. Ein im Wasser viermal langsamerer Herzschlag erlaubt es ihnen über eine Stunde unter der Meeresoberfläche zu verbringen. Obwohl sich zwischen den kräftigen Zehen im Lauf der Evolution winzige Schwimmhäute entwickelt haben, werden die Füße beim Tauchen nicht verwendet sondern lediglich an den Körper gelegt. Mit den kleinen Zähnen der stumpfen Schnauze weiden sie den kurzen Algenbewuchs an den Unterwasserfelsen ab.
Als eigentliche Landtiere haben die Meerechsen auch keine Schwierigkeiten mit dem Salzgehalt des Meerwassers. Eine Drüse verhilft ihnen das überschüssige Salz auszuscheiden. Das Sekret wird durch die Nasenlöcher wie ein feiner Sprühregen ausgestossen. Bei älteren Tiere haben sich dadurch bereits richtiggehende Salzkrusten auf der vorsintflutlichen Schädeldecke gebildet. Um nach einem ausgiebigen Tauchgang dem auftretenden Wärmeverlust entgegenzuwirken, liegen die Kaltblütler am Nachmittag gerne faul auf den warmen Lavasteinen herum, und strecken zu Hunderten ihre Köpfe der Äquatorsonne entgegen.
Lava-Eidechsen bevölkern die Trockenzonen fast aller Galápagos-Inseln. Besucher begegnen ihnen überall auf Schritt und Tritt. Nur eine Art ist gleich auf mehreren Eilanden verbreitet, während sechs andere endemische Arten lediglich auf spezifischen Inseln herumflitzen. Lava-Eidechsen mit einem knallroten Bauchmuster sind übrigens Weibchen.
Es gibt auf Galápagos ebenso fünf endemische Gecko-Arten mit ihren typischen Saugnäpfen an den winzigen Klauen, sowie drei Arten und etliche Unterarten von Dromicus-Schlangen, welche allerdings mehr Angst vor Menschen haben als Elefanten vor Mäusen. Sie sind allesamt schlank und graubraun, können über einen Meter lang werden, und ernähren sich in erster Linie von Lava-Eidechsen und großen Heuschrecken. Zu sehen bekommt man die hübschen Tierchen aber leider recht selten.
Die Galápagos-Inseln sind ein Paradies für Vögel. Dabei nehmen die Seevögel eine ganz besondere Stellung ein. Sie sind zweifelsohne die große Hauptattraktion unter den gefiederten Bewohnern. Ihre Gesamtpopulation wird auf über eine Million geschätzt. Es gibt insgesamt 19 verschiedene Arten von Seevögeln, wobei fünf von ihnen endemisch sind. Ebenso wird das Archipel von über 40 Land- u. Watvögelarten bevölkert, wovon widerum 23 endemisch sind.
Der absolute Star unter den Seevögeln ist der Albatros. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2.40m ist er nicht nur der größte Vogel auf Galápagos, sondern auch der größte in den tropischen Gewässern des östlichen Pazifik. Der einzige Ort auf der Welt wo er beim Brüten beobachtet werden kann ist die Insel Española im äußersten Südosten des Archipels. Über 12.000 Paare können hier an der Punta Suárez und Punta Cevallos, sowie an der Südseite der flachen Insel-Hügelkette zwischen April und Juni angetroffen werden. Jedes Albatrospaar produziert ein großes Ei, das von den Eltern nach der Ablage meist auf unerklärliche Weise wie eine Billiardkugel hin- und hergerollt wird.
Albatrose sind wie riesige Transportflugzeuge. Sie brauchen eine lange Landepiste und müssen vor dem Aufsetzen erst einmal mehrere Runden drehen. Die flache Española-Insel kommt ihnen da bei ihren umständlichen Landemanövern wie gelegen. Auch beim Auffliegen haben sie ihre besonderen Schwierigkeiten. Für den Start müssen sie meistens erst zu Fuß bis an den Rand der Klippen watscheln um sich von dort Hals-über-Kopf in die tragenden Aufwinde zu stürzen.
Wer den einzigartigen, auf Galápagos endemischen Flugunfähigen Kormoran aus nächster Nähe beobachten möchte, muß sich schon zu den rauhen abgeschiedenen Lavaküsten der westlichen Inseln Isabela oder Fernandina aufmachen. Dort leben die bodenständigen Taucher-Vögel mit den kräftigen Schwimmflossen meist in sehr kleinen Kolonien. Einige hundert sollen es immerhin sein.
Gewaltige Vulkanausbrüche, proteinhaltige Nahrung im Überfluß, und das Ausbleiben jeglicher natürlicher Feinde, haben diesem großen Vogel im Laufe der Evolution die Lust am Fliegen genommen. Seine gestutzten Flügel haben vollständig ihre Funktion verloren. Sie wirken wie eingezogene Paddel.
Der endemische Galápagos-Pinguin gilt unter seinen Artgenossen als der zweitkleinste der südlichen Hemisphäre. Dabei befinden sich einige der auf Isabela und Fernandina lebenden Kolonien sogar noch auf der nördlichen Halbkugel.
Versprengte Grüppchen der befrackten Wasservögel können auch in der Sullivan Bay bei Bartolomé beobachtet werden. Die Humboldtströmung aus antarktischen Gefilden ermöglicht es diesem tropischen Pinguin-Typ weit entfernt von seiner angestammten Kaltwasserzone ein ungestörtes Dasein zu führen. Er ist der einzige nordische Pinguin. Sein nächstliegender Verwandter ist der Humboldt-Pinguin, der an den Küsten von Perú und Chile lebt.
Die tölpelhaften Landgänger können unter Wasser Geschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometern erreichen. Beim gemeinsamen Aufziehen ihrer Jungen erwecken sie an den felsigen Ufern hingegen eher den Eindruck ihre schwimmende Eisscholle zu vermissen.
Der schöne Rotschnäblige Tropicvogel ist während des Fluges relativ leicht an seinem langen feinen Federschweif auszumachen. Er jagt weit draußen auf offener See, wobei er aus großer Höhe wie ein Pfeil tief unter die Wasseroberfläche eintaucht. Lose Brutkolonien dieser Vögel findet man das ganze Jahr über auf den meisten Inseln. Lediglich auf Plaza Sur dauert die Brutperiode nur von August bis Februar.
Der “Star” unter den Galápagos-Watvögeln ist der pastellrosafarbige Flamingo. Er ist mit Abstand der scheueste Vogel auf dem Archipel und lebt zurückgezogen in den Salzwasserlagunen von Isabela, Floreana, Santiago, Santa Cruz und anderen Inseln. Da er auf der Suche nach proteinhaltigen Shrimps oft von Lagune zu Lagune fliegt, ist er somit nicht immer an allen Flamingo-Seen anzutreffen. Die über tausend, auf kleine Kolonien verteilten Galápagos-Flamingos, stammen ursprünglich von den Westindischen Inseln.
Keine andere Tierart auf den Galápagos-Inseln hat soviel zum Verständnis der Evolutions-Theorie beigetragen wie die Darwinfinken. Die 13 endemischen Finkenarten - mit einer weiteren Art auf der 425 Seemeilen nordöstlich von Galapagos gelegenen Kokos-Insel sind es sogar 14 - sehen sich farblich und physisch alle recht ähnlich. Sie unterscheiden sich aber ganz deutlich durch ihre Schnabelform. Diese ist widerum den jeweiligen Nahrungsquellen optimal angepasst. Der Schnabel dient den kleinen Vögeln dabei als zweckmässiges Werkzeug. So ernten die Kleinen und Großen Grundfinken mit ihren zermalmenden Nußknacher-Schnäbeln mittelweiche bis harte Samen. Der Große Baumfink oder auch Papageienschnabel-Darwinfink hat dagegen einen kräftigen scharfen Schnabel, den er wie ein Metallschneidegerät verwendet. Er kann damit selbst große Insekten unter Baumrinden erbeuten. Der Waldsängerfink pickt die Insekten stattdessen wie mit der Pinzette von den Blättern, während der Kaktusfink seinen langen kräftigen Schnabel wie eine Drahtzange benutzt.
Die Darwinfinken stammen alle von einer ursprünglichen Art ab, die einst vom Festland auf das Archipel gelangte. Dieser Galápagos-Urfink bewohnte einen konkurrenzlos freien Lebensraum. Dadurch konnte er sich anfangs ungehindert auf allen Inseln ausbreiten. Mit der ständig wachsenden Finken-Population setzte dann auch der Konkurrenzkampf um das tägliche Brot ein. Um den Druck der gleichgearteten Konkurrenz auszuschalten, begannen die Finken allmählich mit ihrer Spezialisierung bei der Nahrungsbeschaffung.
Meerestiere sind mitunter das Spektakulärste, was es bei einem Galápagos-Besuch zu bewundern gibt. Aufgrund des Zusammenspiels verschiedener Meeresströmungen hat das Archipel mit einer unglaublichen Vielfalt an submarinem Leben aufzuwarten, daß sowohl ausgesprochen tropische wie auch typisch antarktische Spezies manchmal auf einem einzigen Revier zu vereinen weiß. Von den über 300 Fischarten sind allein 50 endemisch!
Einem jeden Schnorchler und Diver sträuben sich die Nackenhaare, wenn er bei der Teufelskrone, bei Bartolomé, in der Bucht von Santa Fé, oder auch schon ganz in der Nähe von Puerto Ayora, zum erstenmal in seinem Leben auf eine Gruppe Weißspitzenhaie stößt. Die filmreifen, jedoch völlig ungefährlichen Beißerchen gehören mit ihren Barteln zur Familie der Ammenhaie. Ebenso häufig anzutreffen sind Hammerhaie, von denen manchmal gleich 20 oder 30 Stück unverhofft auftauchen können. In den nördlichen Gewässern des Archipels (Isla Wolf) sind sogar Schulen von bis zu 500 Exemplaren kein seltener Anblick.
Alle diese Haifische sind für den Menschen harmlos. Da sie im Archipel ausreichend Nahrung finden, interessieren sie sich weder für Taucher noch für Beiboote. Man kann sich somit recht nahe an sie heranwagen. Die berüchtigten Tigerhaie, die an anderen tropischen Küsten der Weltmeere Angst und Schrecken verbreiten können, sind in den Galápagos-Gewässern so gut wie nie zu sehen. Sie tummeln sich am liebsten weit draußen im offenen Meer.
Die majestätisch dahingleitenden, futuristisch anmutenden Rochen, sind für viele Unterwassersportler die Krönung eines jeden Tauchgangs. Es gibt Manta-, Adler-, Kuhnasen- u. Stachelrochen. Erstgenannte können eine Spannweite von bis zu fünf Metern erreichen. Letztere tummeln sich gerne in seichten Strandgewässern und haben unter barfüßigen Besuchern schon so manch böse Verletzung durch unachtsames Drauftreten herbeigeführt.
Meeresschildkröten können an vielen Stellen und in vielen Buchten angetroffen werden. Die Caleta Tortuga Negra gilt als ideal um die Tiere auch tagsüber vom Beiboot aus zu beobachten. Während der Paarungszeit zwischen Dezember und April kommen sie nach Einbruch der Dunkelheit an die Sandstrände, um dort ihre Eier in einer selbstgebuddelten Kuhle in den flachen Dünen abzulegen. Dieser anstrengende Vorgang nimmt oft die halbe Nacht in Anspruch. Im Anschluß daran suchen die Tiere sofort wieder das Weite des Meeres auf und vergessen ihre Nachkommenschaft für immer und ewig. Die Schleifspuren der bis zu 300 Pfund schweren Panzertiere sind nach der Eiablage meist noch wochenlang im Sand zu sehen. Da die Strände aber für Besucher nach 18 Uhr gesperrt sind, bleibt einem jeden zumindest dieses Schauspiel vorenthalten.
Nachdem die jungen Schildkröten aus der halbvergrabenen Eierschale ausgebrochen sind, versuchen sie so schnell wie möglich das kühlende Wasser zu erreichen. Nur ein ganz geringer Prozentsatz der in die Brandung gehetzten Tolpatsche hat bei diesem Spießrutenlauf eine Chance überhaupt nur die ersten Daseinsminuten zu überleben. In der Luft lauern bereits die gierigen Seevögel über der wehrlosen Beute, und im Wasser freuen sich später dann die gefräßigen Haie auf eine abwechslungsreiche Zwischenmahlzeit.
Von der gnadenlosen Überlebenslotterie werden Besucher nichts mitbekommen. Die Mitglieder derCharles Darwin Station versuchen in dieser Zeit ihr möglichstes um die Meeresschildkröten-Strände von Touristen freizuhalten und die fliehenden Jungen einzusammeln. In der Aufzuchtstation haben sie die allerbesten Überlebenschancen. Wenn sie dann herangewachsen sind, werden sie wieder den Elementen überlassen.
Die Roten Klippenkrabben stechen beim Anlegen an die schwarzen Basaltlava-Küsten sofort ins Auge. Sie leben meist in großen lockeren Verbänden in den Gezeitenzonen fast aller Inseln. Um nicht in frühester Jugend den Reihern zum Opfer zu fallen, sind sie anfänglich noch eintönig schwarz gefärbt.
Eingewanderte und eingeschleppte Tiere
Die auf Galápagos lebenden endemischen Tiere gelangten während der letzten drei Millionen Jahre auf eigene Faust an die Küsten des Archipels. Sie kamen vom Festland geflogen und geschwommen, oder wurden von Winden und Wasserströmungen herübergetragen. So z. B. die Leguane, die sich während der unfreiwilligen Überfahrt vermutlich an umgestürzten abgedrifteten Kokospalmen und anderen Treibhölzern festkrallten, nachdem sie auf der Suche nach Früchten von einer Sturmflut oder einem sintflutartigen Regen überrascht worden waren. Auf die gleiche Weise setzten wohl auch kleinere Vögel zu den Inseln über, während sich die Seelöwen bei einer ausdauernden Verfolgungsjagd auf einen Fischschwarm vielleicht gezwungen sahen gleich sämtliche Langstreckenrekorde zu brechen. Eine besonders starke Humboldtströmung könnte hierbei eine entscheidende Rolle gespielt haben. Doch die gewaltige Entfernung musste für die meisten der transozeanischen Artgenossen den sicheren Tod bedeuten. Den wenigen Gestrandeten der kräfteraubenden Odysee ließen die vorherrschenden Umweltbedingungen auf den feuerspeihenden Vulkaninseln zudem kaum eine Überlebenschance.
Die Besiedlung des Archipels nahm jedoch seinen gottgegebenen Gang. Allmählich entwickelte sich unter den Verbannten ein natürliches Gleichgewicht heraus, daß schließlich zur Bildung von harmonischen Schicksalsgemeinschaften führte. Denn Feinde oder Konkurrenzverhalten kannten diese emigrierten Tiere so gut wie nicht.
Mit der Landung der ersten Seefahrer vor etwa 400 Jahren begann dieses neugeschaffene“Arche Noah-Gleichgewicht langsam ins Wanken zu geraten. Mäuse und Ratten waren die ersten, die die modrigen Frachträume der ankernden Segelschiffe verließen. Ihnen folgten eingeführte Haustiere wie Kühe, Pferde, Esel, Ziegen, Schweine, Hunde und Katzen, welche nach so manch gescheitertem Besiedlungsversuch zurückgelassen wurden oder ins Hinterland flohen. Durch die relativ schnelle Verbreitung der Aliens blieb den heimischen Tieren und Pflanzen keine Zeit ein wirksames Verteidigungssystem gegen die unerwarteten Feinde und Konkurrenten zu schaffen.
Die neu entstandenen populationsstarken Fremdgemeinschaften haben inzwischen weite Teile des Inselreiches invadiert. Für ihre verheerenden Auswirkungen auf das empfindliche Naturgefüge gibt es mehr als genug Beispiele:
Auf Santiago buddeln verwilderte Schweine die frischgelegten Eier der Meeresschildkröten aus.
Auf Isabela fressen marodende Ziegenhorden die gesamte Vegetation kahl und damit auch die für Landschildkröten lebenswichtigen Nahrungspflanzen. Dies hat mittlerweile auch zum Aussterben von endemischer Flora und stark fortschreitender Bodenerosion geführt. Die vernichtende Zahl der wilden Isabela-Ziegen wird heute auf über 100.000 geschätzt!
Zudem werden die angestammten Wasserstellen der urzeitlichen Riesenschildkröten manchmal von versprengten Eselsgruppen besetzt gehalten.
Auf allen bewohnten Inseln zertrampeln Kühe und Pferde die seltenen Farne und Büsche, vertreiben die heimische Tierwelt, und lassen wie im Hochland von Santa Cruz einen zerstörten Pampa-Boden zurück.
Ebenfalls auf Santa Cruz wurde Ende der 70-ziger Jahre die einzig existierende Landleguan-Kolonie von einer Meute vagabundierender Hunde überfallen. Bei dem Massaker blieben etwa 500 zerfetzte Iguanas auf der Strecke.
Katzen fressen in den Trockenzonen nicht nur die kleinen Vogel- und Reptilieneier, sondern halten andererseits auch die eingeschleppten Ratten unter Kontrolle - ihre direkten Konkurrenten beim Eierdiebstahl! Als jüngster unerwünschter Besucher machte sich inzwischen auf zwei der Inseln die besonders aggressive, “katzenvertilgende” Norwegische Ratte breit!
Versehentlich wie absichtlich eingeführte Tiere stellen für die Inseln wahrscheinlich heute das größte Umweltproblem dar. Nur zwei der vierzehn Hauptinseln sind nachwievor frei von Fremdlingen. Es scheint, daß Galápagos auch in weiterer Zukunft mit den vielen Aliens leben muß. Schnelle zweckmässige Lösungen hat niemand parat. An organisierte Treibjagd-Safaris zur Ausrottung der Isabela-Ziegen wurde dabei immer zuerst gedacht. Diese aus frustrierten Großwildjägern und schießwütigen Touristen zusammengewürfelten Jagdtrupps würden jedoch wenig Sinn machen. Die kletterfreudigen Ziegen ließen den Weidmännern in dem zähen stacheligen Dickicht über dem zerklüfteten Lavaboden kaum eine Chance. Aufgestellte Fallen und vergiftete Wasserstellen würden nur der endemischen Tierwelt schaden. Auch die Verlegung von kilometerlangen Zäunen wäre zu unästhetisch, zu teuer, und zudem völlig unwirksam bei den kleinen Aliens.
Trotzdem hält die Charles Darwin Station die Ausmerzung der Isabela-Ziegen für möglich. Dafür spricht eigentlich auch ihre Erfolgsbilanz der letzten Jahre. Auf sechs kleineren Inseln ist die Ausrottung der Vegetationszerstörer gelungen.
Selbst der schwierigen Rattenplage wurde man auf einigen Eilanden inzwischen Herr. Eine alljährlich auf Floreana durchgeführte Katzen- u. Ratten- Vernichtungsaktion im Bereich der Wellenläufer-Brutplätze zeigt heute erste erfreuliche Resultate. Allein für das Isabela-Problem werden jedoch mindestens fünf Millionen US-Dollar benötigt. Kein Pappenstiel wenn man auf Spenden angewiesen ist! Die bisherigen Zuweisungen reichen lange nicht mehr aus. Die nationale Parkverwaltung, und die unermüdlichen Wissenschaftler der Charles Darwin Station, sind heute nämlich ganz anderen Herausforderungen gegenübergestellt als noch vor wenigen Jahren.
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